Helmut Stadler und Lucas Kobald

Helmut Stadler und Lucas Kobald

Produktionsleiter und Produktionsleiter-Stellvertreter sowie Lehrlingsausbilder

Helmut, wie hat deine persönliche Geschichte bei Segafredo begonnen?

Eingestellt wurde ich im Mai 1986. Es ist also nicht übertrieben wenn ich sage, dass ich bereits eine Inventar-Nummer habe. Gestartet habe ich meine Karriere noch als Betriebselektriker bei der Firma fabia Kaffee, Segafredo hat fabia kurz darauf übernommen. Die Maschinen von damals sind mit den technischen Standards und der Qualität, die wir heute in der Produktion haben, in keiner Weise zu vergleichen. Das gesamte Team bestand bei meinem Start nur aus einer Handvoll Personen.

Wenn du das Unternehmen von damals mit heute vergleichst – was hat sich verändert?

Helmut: Ein professionelles Onboarding, wie wir es heute mit jedem neuen Kollegen bzw. jeder neuen Kollegin machen, gab es nicht. Als ich Produktionsleiter wurde, war es eher ein „Learning by Doing“, wie man das heute nennen würde.
Als Segafredo Zanetti dann die Rösterei hier in Hallwang übernommen hat, kam aus dem Stammsitz in Bologna der Röstmeister und zeigte uns, wie man echten italienischen Espresso röstet. Das Rezept wurde nur persönlich weiter gegeben – von Röstmeister zu Röstmeister sozusagen. Der ganze Prozess war damals reinste Handarbeit. Auch heute machen wir noch sehr viel manuell aber kein Vergleich mehr zu damals.

Wie ging es dann weiter in der Produktion?

Helmut: Ich reiste damals viel nach Italien, hatte die Gelegenheit, ganz tief in die Materie einzutauchen und viel direkt vor Ort zu lernen. Die Röstanlage, mit der ich hier begonnen hatte, war ja dann schon ein Museumsstück. 1995 wurde also in eine neue investiert und 2002 die neue Produktionshalle gebaut. Heuer haben wir wieder eine große Investition vor, unter anderem entsteht ein modernes Labor. Das wird mein letztes Großprojekt, wo ich noch persönlich dabei bin – die Leitung dafür hat aber bereits Lucas. Mit Ende des Jahres werde ich mich dann mit ruhigem Gewissen in den Ruhestand zurück ziehen.

Lucas, erzähl uns bitte etwas mehr über deine berufliche Entwicklung.

Ich bin seit 11. Juni 2019 für Segafredo Zanetti Austria tätig. Mittlerweile habe ich bereits viele nationale und internationale Zusatzausbildungen absolviert, etwa zum Thema Caffè Cupping bzw. Rösten. Dafür war ich viel in der Schweiz, wo die Ausbildungsqualität in unserem Bereich besonders hoch ist. Mein Wissen konnte ich bereits beim Relaunch unserer nationalen Marke „fabia“ einbringen, deren bereits hervorragende Qualität ich noch weiterentwickeln durfte. Im Vorjahr haben wir dann mit der Passione Linie ein völlig neues Produkt entwickelt. Das war dann sozusagen mein erstes komplett eigenes Baby. Wichtig ist mir bei all diesen Projekten die sehr gute Zusammenarbeit mit Helmut. Er ist ein super Mentor, man lernt viel aus seiner langen Erfahrung.

Wie lässt sich ist eure Zusammenarbeit beschreiben?

Helmut: Sehr harmonisch. Wenn ich einen Sohn hätte, müsste er genauso sein, wie Lucas. Wir haben das gleiche Sternzeichen, vielleicht haben wir deswegen ein so gutes Verhältnis. Wir ticken in vielen Dingen genau gleich, haben ähnliche Hobbys.
Lucas: Wir passen nicht nur beruflich sondern auch persönlich gut zusammen. Gemeinsam gehen wir beispielsweise jeden Mittwoch in der Früh vor der Arbeit bouldern. Und ich weiß, dass ich Helmut auch in Zukunft in seiner Pension jederzeit anrufen kann, wenn ich seine Hilfe brauche.

Lucas, nimm uns doch mal mit auf eine virtuelle Rösterei-Führung:

Direkt bei der Produktionshalle erfolgt die Annahme des Rohkaffees. Drei bis fünf LKW-Lieferung à 20 Tonnen kommen jede Woche. Der Rohkaffee wird zum Teil noch klassisch in 60 kg Jutesäcken angeliefert, vermehrt aber bereits abgepackt in wiederverwendbaren Bigbags zu 1000 kg. Dann beginnt der anstrengende händische Teil der Arbeit: die Säcke werden geöffnet, der Rohkaffee wird sortenrein ins Lager geleert, gereinigt und kommt dann in den Arbeitssilo. Verschiedene Robusta oder Arabica Sorten werden je nach Rezept in verschiedenen Anteilen automatisch zur Röstanlage gefördert. Ein Röstvorgang für 250 kg Kaffee dauert je nach Rezept bis zu 15 Minuten. Wir rösten ja traditionell in der Trommel. Das dauert natürlich viel länger als z. B. die Heißluft-Röstung, ist aber wesentlich für beste Qualität und ausgezeichnetes Aroma. Danach muss der Kaffee recht schnell und gleichmäßig gekühlt werden. Dann wird anhand verschiedener Parameter die Qualität überprüft bevor der Kaffee zuerst in die Zwischensilos kommt und anschließend verpackt wird.
Beim Verpacken passiert auch noch sehr viel per Hand. Das ist eine physisch anstrengende Arbeit. Bald werden wir hier aber einen Roboter bekommen, der die Kollegen körperlich entlasten wird – darauf freuen wir uns schon sehr. Über unsere Logistikpartner kommen die Produkte dann in den Handel bzw. werden an unsere Gastronomie-Kunden ausgeliefert – frisch und in bester Qualität direkt aus unserer Rösterei. Kaffee ist ein Halbfertig-Produkt. D.h. wenn wir mit unserem Teil der Arbeit fertig sind, ist der Barista an der Reihe. Der Barista sorgt dafür, dass aus dem perfekten Produkt auch ein perfekter Kaffee in der Tasse wird.

Helmut, wie schaut es mit dem Röstgeheimnis aus – kannst du uns da ein bisschen was verraten?

Die Rezepte sind tatsächlich gut gehütete Geheimnisse. Nur wenige haben Zugang zu den gesamten Daten und Informationen. Es gibt einige Parameter, die vorgegeben sind, weil sie die Richtung vorgeben – also ob es eine Venezianische Röstung ist, oder eine typisch Wiener Röstung. Die Grundrezepte unserer Produkte dürfen auch nicht verändert werden. Wir können nur im Zuge von Produkt-Relaunches einige Parameter verfeinern oder optimieren – so wie wir es bei fabia gemacht haben. Mehr wirst du von mir zu den Rezepten nicht erfahren, außer, dass wir 14 verschiedene hier in Salzburg haben.

Was zeichnet Segafredo als Arbeitgeber aus?

Helmut: Ich schätze den freien Gestaltungsspielraum, man kann sich entwickeln, es warten immer wieder neue Herausforderungen. In über 35 Jahren hat sich viel ereignet, ich durfte viele großartige Projekte begleiten.
Lucas: Das mit dem Gestaltungsspielraum kann ich nur unterstreichen. Man kann viele eigene Ideen umsetzen und wird motiviert, das auch zu tun. Wir alle teilen die Leidenschaft zum Caffè, das verbindet. Was mir außerdem großen Spaß gemacht hat, neben meinem klassischen Tätigkeitsbereich, ist die Weiterbildung zum Lehrlingsausbilder. Das gibt mir die Möglichkeit mein Wissen auch an junge Menschen weiterzugeben.

Helmut, was ist dein Lieblingsprodukt und mit wem würdest du es gerne trinken?

Mein absolutes Lieblingsprodukt ist der Espresso Classico, den wir hier in Salzburg entwickelt haben und auch nur hier in Hallwang für die ganze Welt produzieren. Natürlich mit unsrem Firmengründer Massimo Zanetti, den ich auch schon persönlich kennenlernen durfte.

Und du Lucas?

Mein absolutes Lieblingsprodukt ist der Passione Espresso, den ich gerne mit einem Kollegen oder einer Kollegin auf unserer Kaffee-Plantage auf Hawaii trinken würde.

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